Meine E-Mail an Matthias Güldner

Ziemlich entsetzt krieg ich heute einen Link auf einen Artikel in der Welt, in der sich der Fraktionsvorsitzende der Bremer GRÜNEN nicht nur zum Thema Internetzensur äußert.

Ich konnte nicht umhin, ihm eine Mail zu schreiben, sehr kurz, aber ich denke, deutlich genug:

Lieber Matthias Güldner,

selten habe ich etwas so Dummes wie Deine Äußerungen in der Welt gelesen. Man mag inhaltlich getrennter Meinung sein. Man mag, wie Du, nicht begreifen wollen, dass mit dem Totschlagargument “Kinderpornografie” versucht wird, eine Zensurinfratruktur aufzubauen. Du kannst alles nachlesen, hast sicher vieles schon gehört. Ich muss Dir nicht sagen, dass das STGB auch im Internet gilt – da wirst die Casa Tauss wahrgenommen haben.

Aber unverständlich angesichts unseres Wahlprogramms, in dem eindeutig das Gegenteil steht sind Deine Äußerungen in der Springerpresse schon. Sie sind geradezu parteischädigend. Weißt Du, es ist kein Landtagswahlkampf in Bremen. Noch nicht. Der kommt bald, dann darfst Du wieder. Bis dahin meine Empfehlung: Klappe halten. Zumindest beim Thema Internet. Beim Rest weiß ich’s nicht, aber ich hoffe das Beste.

Grüße

Jörg Rupp
Bundestagskandidat im WK 272

P.S.: der Brief kommt in mein Blog, ist also doch ein ziemlich offener Brief. :-)

Geschrieben am 26. Juli 2009 um 20:56 Uhr in Demokratie, GRÜNEs, Internet, Netzpolitik und Datenschutz - Tags: , , , ,

17 Kommentare »

0mad

Respekt.

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Kommentar von 0mad — 26. Juli 2009 um 21:00 Uhr

Daniel

Kurze prägnante Absage. Gut so. Parteischädigend trifft es ganz genau.

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Kommentar von Daniel — 26. Juli 2009 um 21:08 Uhr

Wolfgang G. Wettach

Meine Antwort, in aller Kürze http://bit.ly/D7zmV

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Kommentar von Wolfgang G. Wettach — 26. Juli 2009 um 21:22 Uhr

Peter Wenz

Gut und richtig.
*chapeau*

Cheers
Peter

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Kommentar von Peter Wenz — 26. Juli 2009 um 22:01 Uhr

Sebs

Ich hätte das gerne mal offiziell von euren Jungs und Mädels im Bundestag. Sonst unwählbar. Im ernst. Unwählbar.
Ich kann es nicht akzeptieren einer Partei die Stimme zu geben die zuerst a) sagt (wie hier bei dir) und dann b) macht.
Abschaffen von Atomkraft hin oder her. meine persönliche Freiheit und die meiner meinung nach aufziehende Diktatur sind mir da wichtiger.

[Antwort]

joerg Antwort vom Juli 27th, 2009 07:00:

Hallo Sebs,
im Blog findest Du in diesem Beitrag den Text aus dem Wahlprogramm. Der ist sehr eindeutig. Bei der Abstimmung über das Gesetz haben sich leider 15 grüne Abgeordnete enthalten, jedoch keine/r zugestimmt. Mehr als 2/3 haben es abgelehnt. Jedoch war die grüne Fraktion diejenige, die immer die namentliche Abstimung eingefordert hat.
Gruß
Jörg Rupp

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Kommentar von Sebs — 26. Juli 2009 um 23:17 Uhr

Harald

passend!

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Kommentar von Harald — 27. Juli 2009 um 00:32 Uhr

Helmut Blöcker

Ich habe gestern schon dem Herrn Kollegen deutlich meine Meinung zukommen lassen. In der Formulierung etwas anders, aber inhaltlich voll in die gleiche Richtung. Ich warte jetzt auf eine Antwort…..

Helmut Blöcker, grüner Direktkandidat, Wahlkreis 51 (Braunschweig).

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Kommentar von Helmut Blöcker — 27. Juli 2009 um 09:14 Uhr

alwin

@jörg
Ich will nicht nur ein Stück aus einem Wahlprogramm – wir wissen doch alle, wie weit man sowas trauen kann.

Solange nicht eine eindeutige Replik aus dem Grünenvorstand (Bremen, Bund) kommt sind die Grünen für mich das erste mal seit nun mehr beinahe 20 Jahren absolut unwählbar. Dieses ich-bin-dagegen-aber-ich-enthalte-mich-nur-Getue im Bundestag war der Anfang – dieser schwachsinnige Text aus Bremen sind da eigentlich nur der logische Höhepunkt.

Wenn der Typ sich öffentlich und weitverbreitet mit Wahlkampfbeschlüssen angelegt hat – dann soll bitte schön auch die Grünenspitze genauso deutlich, weitverbreitet sich dazu äussern. Ansonsten wird sich das hier http://tinyurl.com/n6yxdq oder äquivalentes bei StudiVZ (eurer doch begehrtesten Zielgruppe) erheblich ausdehnen.

ex-wähler

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joerg Antwort vom Juli 27th, 2009 16:05:

Das Wahlprogramm wird vom höchsten Gremium der Partei, vom Bundesparteitag, beschlossen. Der Bundesvorstand wird also genau das sagen, was auch darin steht. Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand, hat sich am Wochenende auch genauso geäußert. [Update] Ebenfalls gibt es zwischenzeitlich eine sehr eindeutige Stellungnahme des Bundesvorstands.

[Antwort]

Kommentar von alwin — 27. Juli 2009 um 11:39 Uhr

Ostwestfale

Bezeichnend ist auch, daß auf welt.de heute so um 14.00 Uhr rum alle Leserkommentare zu dem Güldner-Geschreibsel auf einmal “verschwunden” sind. Waren ja nur 17 Seiten. Soviel also zum Thema Meinungsfreiheit und “Debatte” auf welt.de.
Glückwunsch. Die Grünen sind damit ebenso wie die anderen “Volksparteien” für mich unwählbar geworden. Schmeisst den Typen raus, dann kann man es vielleicht überdenken, jemals wieder eine Stimme für die Grünen abzugeben. Nochmal zum Verdeutlichen:
*UNWÄHLBAR*

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joerg Antwort vom Juli 27th, 2009 16:11:

Naja, was können jetzt die GRÜNEN dafür, dass die WELT ihre Kommentarseiten löscht? Und “rausschmeissen” geht nun wirklich nicht. Sorry, Leute, was ist das hier für ein Demokratieverständnis? Wir haben das Recht auf freie Meinungsäußerung. ein wichtiges und hohes Gut. Wir sind eine Partei, die nicht immer geschlossen hinter jedem Detail steht. Toeranz gegenüber anderen Meinungen gehört auch dazu. Mir gefallen die Äußerungen auch nicht, das habe ich wohl deutlich gemacht. Mehr geht nicht, wenn er sich nicht anders äußert, sich entschuldigt oder was auch immer: was will man dann tun? Und wenn es an dem einen Punkt hängt, dass in einem Stadtstaat irgendwo im Norden ein Bürgerschaftsabgeordneter was von sich gibt, nun, dann ist das halt so.

[Antwort]

Kommentar von Ostwestfale — 27. Juli 2009 um 15:02 Uhr

đª]V[ªX » Hirn rausgegrünt? [UPDATE3]

[...] Hihi, es anderer Grüner hat sehr ungehalten reagiert. Oh du schöne Wahlkampfzeit… Lesezeichen gefällig? Bedien' [...]

Pingback von đª]V[ªX » Hirn rausgegrünt? [UPDATE3] — 27. Juli 2009 um 15:39 Uhr

Matthias Güldner schreibt minderbetwittert gegen das Internet - und gegen die Grünen - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org

[...] Offener Brief von Jörg Rupp (Bundestagskandidat aus Karlsruhe) [...]

Pingback von Matthias Güldner schreibt minderbetwittert gegen das Internet - und gegen die Grünen - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org — 27. Juli 2009 um 16:05 Uhr

till we *) . Blog » Kurz: Es ist alles schon gesagt

[...] Ziemlich entsetzt krieg ich heute einen Link: Herr Güldner aus Bremen schafft es, in einem kleinen Kommentar deutlich zu machen, dass er erstens keine Ahnung vom Internet hat, ihm das zweitens völlig egal ist, er drittens Probleme mit Demokratie und politischer Beteiligung der Bürger hat, und dass er viertens ziemlich gut darin ist, Wähler zu beleidigen. Man kann natürlich eine andere Meinung zu den Plänen der Bundesregierung haben eine umfassende Sperrinfrastruktur aufzubauen, diese aber in dieser Form und besonders in diesem Ton vorzutragen, geht meiner Meinung nach nicht. Zwei Dinge aber sorgen dafür, dass ich darüber nicht einfach zur Tagesordnung übergehe: (1) dieser Text ist auch als Kommentar bei Welt.de erschienen und seither viel zitiert und noch mehr verlinkt worden – (2) dieser Mensch ist nicht irgendein Bürgerschaftsabgeordneter, sondern Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Dass prominente VertreterInnen unserer Partei sich in so verkürzter und populistischer Art und Weise gegen die eigenen Parteitagsbeschlüsse stellen, […] macht es uns in den nächsten Monaten nicht leichter. [...]

Pingback von till we *) . Blog » Kurz: Es ist alles schon gesagt — 27. Juli 2009 um 18:01 Uhr

Halodri

@joerg
Es hat niemand behauptet, dass die Grünen etwas mit der Löschung der Leserkommentare bei welt.de zu tun haben.
Es zeigt aber sehr schön, was die Medien tun, wenn einem Politikprofi (?) mal richtig der Wind ins Gesicht bläst: Schnell alles offline nehmen, damit bloß nicht der schöne Schein gestört wird, dass hierzulande alles Friede-Freude-Eierkuchen ist und die Bürger brav alles schlucken, was ihnen von der Politik vorgekaut wird.
Offensichtlich hat sich bei welt.de dann doch die Einsicht durchgesetzt, daß man das ganze nicht mehr vertuschen und irgendwo in einer Kommentarecke leise verschimmeln lassen kann, weil schon etliche der von Herrn Güldner als Vollidioten abgestempelten Internetnutzer darauf reagiert hatten.
Wenn man die Kommentare durchsieht, merkt man allerdings auch, dass die Zensoren bei welt.de immer noch sehr aktiv sind. Sogar die Kommentare, die sich mit dem Verschwinden der kompletten Kommentarfunktion heute mittag beschäftigen, sind komplett wieder gelöscht worden. Man möchte also bei welt.de nicht den Eindruck erwecken, dass dort zensur stattfindet – und zensiert deshalb fleissig. :-|

Und, um noch direkt auf ein Zitat von dir zu antworten:

“Sorry, Leute, was ist das hier für ein Demokratieverständnis? Wir haben das Recht auf freie Meinungsäußerung. ein wichtiges und hohes Gut. Wir sind eine Partei, die nicht immer geschlossen hinter jedem Detail steht. Toeranz gegenüber anderen Meinungen gehört auch dazu.”

- Das Demokratieverständnis, das hier zum Brechen ist, ist das Herrn Güldner, darum geht es! Er hat nicht die geringste Ahnung von dem, worüber er schreibt, aber er nimmt sich die Freiheit, Millionen Internetnutzer, Computerspieler oder Blogger als halbkriminelle Vollpfosten darzustellen.

- Das Recht auf freie Meinungsäusserung ist eben das, was Güldner den Internetnutzern absprechen will.

- Der Kommentar hat nix mit “geschlossen hinter einem Detail stehen” zu tun, er ist das exakte Gegenteil von dem, was als grüne Politik und Meinung zur Sache ausgegeben wird.

- Und Toleranz gegenüber anderen Meinungen ist exakt das, was Herr Güldner offensichtlich überhaupt nicht besitzt, dafür aber ein übersteigertes Selbstbewusstsein bei total fehlender Sachkenntnis

Sie es, wie du willst, aber die Veröffentlichung dieses Kommentars hat nicht nur den Grünen in Bremen erheblich geschadet, sondern den Grünen als gesamte Partei – auch wenn G. nur ne kleine Nummer im Norden ist.

[Antwort]

Kommentar von Halodri — 27. Juli 2009 um 19:17 Uhr

zeitrafferin » Julia Seeliger » Herr Güldner aus Bremen

[...] Jörg Rupp: “Meine E-Mail an Matthias Güldner” [...]

Pingback von zeitrafferin » Julia Seeliger » Herr Güldner aus Bremen — 29. Juli 2009 um 09:44 Uhr

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