Leserbriefe
Leserbrief vom 06.10.2009 an die BNN zum Thema “Alkoholverbote”
Schon wieder: Verbote. mehr fällt einigen wohl nicht ein. Aber gut, dann bitte konsequent: kein Alkoholverkauf mehr an Vereinsfesten, die Jugendabteilungen haben. Wie beim Sportfest, wenn die Kinder- und Jugendturniere sind. Und beim nächsten Straßenfest geht es mal gar nicht, dass es beim Fassanstich kostenloses Bier für alle über 16 gibt, noch dazu um 11:00 Uhr morgens. Von wegen gutes Beispiel und so.
Zur Jugend gehört es auch, dass man sich mal ausprobiert. Die eigenen Grenzen kennenlernt. Und dazu gehört auch bei vielen auch, Alkohol auszuprobieren. Andere rauchen. Oder Kiffen. Das mag einem gefallen oder nicht. Solange keiner andauernd betrunken ist, ist das doch alles gar kein so großes Problem. Nur, mit Verboten verhindert man nichts – man verdrängt das Problem nur. Aufzeigen, dass man auch ohne Alkohol/Drogen Spaß haben kann, kann man mit Verteufelung und Verboten nicht. Mir ist es lieber, 16-jährige Jugendliche trinken zusammen in der Öffentlichkeit ein/zwei Bier anstatt irgendwo im Gebüsch 2 Flaschen Wodka. Aufklärung tut Not und ansonsten gehört auch Vertrauen dazu.
Was mir dabei noch auffällt: erneut werden städtische Aufgaben outgesourced – der Sicherheitsdienst. Da wäre die Stadt doch als Arbeitgeber gefragt, gerade in der Krise. Private Sicherheitsdienstleister statt Streetworker – Kloppe statt Pädagogik? Und: werden diese privaten Dienstleister eigentlich dahingehend überprüft, wie sie ihre Mitarbeiter behandeln, wie die Arbeitszeiten sind etc.? Oder ist das egal, Hauptsache billig?
taz vom 26.08.2009 – Leserbrief zum Artikel “Klassenfahrt ins Atom-Endlager
Erbsensuppe und Panzerfaust
betr.: “Klassenfahrt ins Atom-Endlager”, taz vom 22. 8. 09
Na, das hat sich das Bundesamt für Strahlenschutz bei der Bundeswehr abgekuckt. Früher kam auch der Jugendbeauftragte in die 10. Klassen, erzählte was über die tolle Verteidigungsaufgabe, diskutierte ein bisschen und lud dann die SchülerInnen in die nächste Kaserne ein. Da gab’s dann beeindruckende Hubschrauberlandungen, Erbsensuppe, einen netten Film über entspannte Manöver in Norwegen und Waffenschau (möchtest du mal die Panzerfaust nehmen? So manipuliert man Minderjährige. JÖRG RUPP, Malsch
Stuttgarter Nachrichten vom 3. Juli2009 – Leserbrief auf den Artikel der StN zu Winfried Kretschmanns Äußerungen zu schwarz-grün:
Gute Arbeit in der Opposition leisten
Zu Berichten über eine mögliche schwarz- grüne Koalition in Land:
Dass die Grünen, zu denen ich gehöre, in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, würde ich so nicht unterschreiben. Unsere Themen sind es. Noch immer werden wir von den Parteien mit dem großen C misstrauisch
beäugt. Winfried Kretschmann versucht seit Jahren, die Grünen im Land in Richtung ei ner schwarz-grünen Koalition zu schieben. Es wird ihm nicht gelingen. Es sind nicht nur Themen wie derAtomausstieg oder der Fana-
tismus für große Autos, die die CDU von den Grünen trennt, es sind auch die in der CDU nach wie vor weit verbreitete Rechtslastig keit und der Unwille, sich von alten Herren aus ihrer Geschichte zu distanzieren. Es sei nur an die Filbinger-Rede von Oettinger er innert und an Weikersheim.
Mit einer CDU, die dem rechten Rand so nahe ist, kann es keine schwarz-grüneKoali tion geben. Dann muss man halt warten, bis sich mit der Einsicht in Notwendiges auch die Mehrheiten im Land ändern – und bis es soweit ist, gute Arbeit in der Opposition leisten. Auch das geht. Dann kann zwar
Kretschmann nicht mehr Minister werden – das wird dem Land aber nicht schaden.
Jörg Rupp, Malsch (per E-Mail)
taz vom 26.05.2009 zum Artikel vom 25.5.2009
Schwan war die bessere Wahl
Franz Walter mal wieder. Das ist der Herr, der im Spiegel seit Jahren das Bild der grünen Partei zeichnet, die doch jetzt endlich mal mit jemand anders als der SPD, und wenn schon nicht das, doch wenigstens mit in ‘ne Ampel muss. Nee, Herr Walter, Köhler hat sich zwar von seinem Image “befreit”, das heißt, es wurde von Schreibern wie Ihnen auch nicht mehr thematisiert, aber das heißt noch lange nicht, dass die Grünen vergessen haben, wo Köhler herkommt. Und deshalb war das nicht hinterher, sondern gleichauf. Schwan war die bessere Wahl. Das wussten alle Grünen, Eid und Stokar ausgenommen. Aber die gehören dem nächsten Bundestag eh nicht mehr an. JÖRG RUPP, Malsch
ältere Leserbriefe aus der taz:
Wo Männer “lila Pudel” sind
betr.: “Rechte Männer in Angst”, taz zwei vom 20. 9. 08
Danke für diesen Artikel. Ich bin seit Jahren in Scheidungs- und Männerrechtsforen unterwegs, kenne einige der Protagonisten auch persönlich, muss allerdings dazu sagen, dass es nicht ganz so einfach ist wie dargestellt. Es gibt strukturelle Ungerechtigkeiten gegen Männer, vor allem im Bereich Scheidung/Trennung und daraus resultierende Folgen, etwa im Umgangsrecht oder ganz allgemein in der Durchsetzung der gemeinsamen elterlichen Sorge. Das geht oft genug Hand in Hand mit – meist – Frauen, die an entsprechenden Schaltstellen wie Jugendämtern sitzen. (Meine eigene Frau musste sich auf dem Amt dafür rechtfertigen, warum sie mir als damals unehelichem Vater die gemeinsame Sorge einräumte…).
Aus solchen Geschichten und anderen, z. B. Umgangsboykotten, Unterhaltszahlungen bis an den Rand des Existenzminimus und darüber hinaus und anderen hat sich eine Szene etabliert, die aus der Wut über solche Dinge durchaus als rechts angesehen werden kann. Nicht nur die junge Freiheit als gerne benutztes Vehikel, sondern auch daraus resultierend politische Auseinandersetzung mit teilweise wirklich falschen Informationen haben etwas etabliert, das durchaus als rechts einzuordnen ist. Die Auseinandersetzung mit Argumenten führt dann oft genug dazu, dass man als Mann als “lila Pudel” bezeichnet wird – womit man sich dann nicht mehr mit Argumenten auseinandersetzen muss. Fakt bleibt jedoch, dass auch Männer diskriminiert werden, auch aufgrund des Geschlechts, und die Erkenntnisse beispielsweise aus der Pilotstudie “Gewalt gegen Männer” bedürfen dringen einer Verifizierung durch eine richtige Studie – vor allem im Bereich “Bundeswehr”. JÖRG RUPP, Malsch
Grüne Politiker mittenmang
betr.: “Heile Welt, furniert. Günther H. Oettinger, Ministerpräsident Baden Württembergs, ist bei weitem nicht der Einzige, der zurzeit Geschichte wieder fälschen will. Warum werden gerade jetzt alte Nazi-Täter rehabilitiert?”, taz zwei vom 14. 4. 07
Neben all dem Richtigen, das zu dem alten, uneinsichtigen Nazirichter Filbinger richtigerweise zu sagen war und ist und auf den Punkt “Altnazi” gebracht werden kann, bleibt die Frage, warum Grünen-Fraktionschef in BW, Kretschmann, und Freiburgs OB und sein Vorgänger im Amt, Salomon, an der Beerdigung dieses Altnazis teilgenommen haben. Dafür kann es keine vernünftige Erklärung geben – außer ein Anbiederungsversuch in Richtung Oettinger-CDU – den man angesichts dessen Ausfälle besser gelassen hätte. Denn einem Altnazi eine Ehre zu erweisen – wenn es auch die letzte ist -, kann nicht Ziel grüner Politiker sein. JÖRG RUPP, Malsch
Toleranz ist das Zauberwort
betr.: “Fakten und Vorurteile
Wenn Sie heute christlich orientierte Frauen sonntags morgens vor der Kirche fragen, ob sie das Christentum dem Islam für überlegen halten, sagen auch mindestens 87 % “Ja”. Und das ist dann bei Kirchgängern sicher deutlich ausgeprägter als beim Durchschnitt der Bevölkerung – hoffentlich. Und das Gefühl der “Ausgewähltheit” kennen wir alle sicherlich von George Bushs Fantasien über die Welt und seine Präsidentschaft. 15 % befürworten einen Gottesstaat? Fragen Sie doch mal all diejenigen, die den totalitären Herrscher eines diktatorischen Staates – ich meine den Papst – mit Staatsehren empfangen, ob sie sich einen von der katholischen Kirche geführten Staat vorstellen könnten, ich bin sicher, sie finden auch ein paar Prozent.
Toleranz ist und bleibt das Zauberwort – für Muslime und Christen. JÖRG RUPP, Malsch
taz vom 8.11.2006, S. 12, 15 Z. (LeserInnenbrief)
Wissen wir das nicht schon lange?
betr.: “Die schmutzigen Tricks der Billigdiscounter”,
Das taz-Dossier zu den Methoden der Discounter, taz vom 18. 6. 05
Es ist ehrenhaft, wenn ihr (und Ver.di) sie endlich (wieder-)entdeckt: die Geschundenen im Lebensmitteleinzelhandel. Aber irgendwo zwischendrin sollte zumindest der Satz stehen: Das war eigentlich schon immer so.
Die Zustände bei Schlecker sind mir persönlich schon seit Ende der 80er-Jahre bekannt, als ich selbst noch im Lebensmitteleinzelhandel tätig war – bei einer mittelständischen Lebensmittelkette, die zwischenzeitlich verkauft ist (Pfannkuch). Und zu Lidl ging nur, wem die 60 bis 80 Stunden, die man in der Woche ab Position Filialleiterassistent gearbeitet hatte, nicht genug waren. Unbezahlte Überstunden, Mobbing, wenn man sie einforderte, Kassenkontrollen, Schikanen, Abmahnungen bei Kleinigkeiten (Ware nicht ausgepackt trotz 80 Stunden nachweislich gearbeitet), falsche Verdächtigungen, die man gleich noch rum erzählte, ausgesetzte Beförderungen, künstliche Personalverknappung usw. – all das gab es sogar bei anderen Unternehmen als “nur” bei den Discountern. Es ist in der Branche üblich – der konventionellen wohlgemerkt.
Ich habe 1990 gekündigt, mit sechs Wochen Kündigungsfrist zum Quartalsende – es war das erste Mal, dass ich Überstunden eingefordert und bekommen hatte – für drei Monate habe ich vier Wochen Überstunden abgebaut – und angesichts der bevorstehenden Kündigung schon angefangen, deutlich weniger zu arbeiten. “Normal” war, morgens um halb sieben spätestens im Laden zu stehen, die Mittagspause nur zu einem Viertel zu nehmen und dann bis viertel/halb acht im Laden zu stehen, bis die Kasse gemacht war, bei Ladenschließung um 18.30 Uhr. 38,5 Stunden hatte ich meist schon donnerstags nach der Frühstückspause – Freitag/Samstag gehörte nicht Vati, sondern dem Unternehmen.
Man sollte also nicht so tun – auch die Gewerkschaften nicht – als hätten sie da was Neues entdeckt. Sie sind bislang nur nicht damit (so massiv) an die Öffentlichkeit gegangen.
JÖRG RUPP, Malsch
taz Nr. 7698 vom 24.6.2005, Seite 11, 59 Zeilen (LeserInnenbrief)
